Oh, ein Stipendium

Für die Idee, jetzt erstmal eigene Schlosshardware auf LoRaWAN-Basis zu bauen, haben wir nun glücklicherweise das Mobilitätsstipendium BW erhalten. Das sind in unserem Falle 3 Monate und knapp 15.000 €, die wir nutzen können, um mehr Prototypen-Hardware zu bestellen, eine eigene Platine zu designen und am Ende hoffentlich sogar mehr als 1 Testfahrrad mit einem offenen, durchdachten, sharingfähigem Schloss auszustatten.


Für die Übersichtsseite der geförderten Projekte hat uns das Verkehrsministerium noch um ein paar Statements gebeten. Hier sind diese nochmal in lang und ausführlich:

Das Problem

Bikesharing wird meist von privaten Firmen angeboten und ist mit einem großen Aufwand an Material, an Verschlussinfrastruktur, für das Usermanagement und für die Abrechnung verbunden. Anstatt das Bikesharing-Angebot gänzlich dem Markt zu überlassen, würde eine Öffnung des Bikesharing-Systems für verschiedenste Träger, vom Verein über die Kommune bis zum Stadtwerk dazu beitragen, dass dieses nachhaltige Mobilitätsangebot eine größere, freiere Verbreitung erfahren und mehr Menschen auch außerhalb größerer Städte zur Verfügung stehen könnte.

Der Ansatz

Das Team von „radforschung“ verfolgt deshalb als langfristiges Ziel, den kompletten Sharing-Stack als freie Open-Source-Soft- und Hardware verfügbar zu machen. Als Basis dient die Verschlussinfrastruktur: Mit einem modifizierten, per Bluetooth steuerbaren Fahrradschloss zeigt das Team, wie eine solche freie Infrastruktur aussehen kann. Mit der Weiterentwicklung dieses Ansatzes könnte Bikesharing leicht z.B. von Kommunen oder Vereinen selbst betrieben und verwaltet werden.

Warum hattet Ihr Euch für das Stipendium beworben und wie geht es nun weiter?

Die Idee passte für uns einfach: Im Mobilitätssektor passiert zwar viel, aber vieles bleibt hinter dem möglichen Potenzial zurück, weil am Ende der gesellschaftliche Nutzen dem Profit untergeordnet zu werden scheint. Mit dem Stipendium können wir es uns nun leisten, uns ausreichend Zeit zu nehmen, um unsere Idee ausgiebig auf Herz und Nieren zu testen. Wir werden in dem Vierteljahr abstecken, was mit den bisherigen chinesischen Systemen geht und wo sich eigene Entwicklung lohnt. Und natürlich gehört das laufende Testen mit echten NutzerInnen immer dazu. Der Stipendiumsgedanke passt wunderbar dazu: Wir sind noch nicht soweit, unsere Jobs aufzugeben um aus der Idee ein Startup zu machen – jetzt können wir erst einmal in einem geschützten Rahmen testen, ob sich danach der Sprung ins kalte Wasser lohnt.

Welchen Plan habt Ihr mit dem Stipendium und Eurem Projekt?

Unser Projekt ist relativ hardwarelastig, das heißt wir werden uns auch erst noch ein paar Schlösser als Versuchsträger kaufen. Spannend wird auch, einen Ersatz für die Original-Steuerplatine zu entwerfen und zu bauen – wir möchten die Anbindung ja über das freie The Things Network realisieren, damit nicht in jedem Schloss eine SIM-Karte mit teurem Datenvertrag stecken muss. Und vor allem werden wir alles Gelernte aufschreiben und für die gesamte Welt dokumentieren. Uns ist nicht wichtig, dass alleine wir diese Idee bis in alle Facetten realisieren, sondern dass das geschieht – deswegen setzen wir auf Freie Software und Open Hardware, so dass möglichst viele Menschen an der Idee mitentwickeln können.

Was ist Eure Vision von der digitalen Mobilität der Zukunft und wie würdet Ihr gern dazu beitragen?

„Mobility As A Service“ wird meistens nur als Buzzword verwendet, für uns ist genau das aber die Zukunft: Mit der Mitfahrgelegenheit aus dem ländlichen Raum zum Bahnhof, mit Bahn und Bus in die Stadtmitte, und mit dem Sharing-Rad die letzte Meile bewältigen – und alles mit einem Fingerdruck auf dem Smartphone gesucht, gebucht, entsperrt und am Ende abgerechnet. Mit demselben Account zuhause, aber auch per Roaming in Hamburg. Das geht nur nach dem Open-Data-Paradigma: Alle Dienste stellen ihre Daten offen zur Verfügung und lassen sich mit jeder beliebigen Lieblingsapp aggregieren. Wir möchten zeigen, dass genau das der Königsweg ist, und dass am Ende auch kleine Städte oder Tourismusvereine mit unserem System ihren Teil zu dieser Vision beitragen können.